Wettbewerb im offenen Verfahren, 2019
Bauherrschaft: Stadt St. Gallen
Landschaftsarchitektur: Alsina Fernandez Landschaft Architektur BSLA
Gebäude: 1’600 m2 SIA 416 / 6’700 m3 SIA 416
Mitarbeit: Michael Ulmer

Das nordöstlich über der Stadt St. Gallen gelegene steile Gelände wird durch ein bewaldetes Bachtobel mit seinem wertvollen Baumbestand geprägt. Villen, Ein- und Mehrfamilienhäuser, das im Heimatstil erbaute Schulhaus Gerhalde und die burgartige neuromanische Heiligkreuzkirche bilden eine heterogene und stimmungsvolle Umgebung. Auf der mittig eingeschnürten Parzelle werden zwei volumetrisch stark gegliederte und in der Höhe gestaffelte Baukörper angeordnet. Damit verorten sich die Gebäude auf selbstverständliche Weise in der topografischen Situation und im Quartier. Das eingeschossige Gebäude beherbergt die Kindergärten, das dreigeschossige Gebäude die Tagesstruktur. Der gemeinsame Aussenraum zwischen den beiden Bauten wird zum verbindenden Element der Anlage. Vier Zugänge zum Areal in unterschiedlicher Ausformulierung treffen sich kreuzförmig in der Mitte der Parzelle auf dem Aussenraum. Die Eingänge der Häuser liegen in dieser Logik von der Strasse abgewandt und zum gemeinsamen Platz hin orientiert.

Der Kindergarten setzt sich aus drei identischen, eingeschossigen Einheiten zusammen. Dank der Höhenstaffelung fügt sich der Baukörper sanft ins ansteigende Terrain ein. Die gedeckten Vorzonen sind zum gemeinsamen Aussenraum hin orientiert und können für wettergeschützte Aussenaktivitäten genutzt werden. Die drei Unterrichtsräume erstrecken sich über die ganze Tiefe des Baukörpers und sind zweiseitig belichtet. Die Tagesbetreuung ist auf drei Geschossen organisiert. Halbgeschossig versetzt erreichen die Kinder ihre Gruppe über einen halben Treppenlauf nach oben oder nach unten. Die Betreuungsräume sind um die zentrale Halle angeordnet und gruppenintern mit den Themen- und Bewegungsräumen verbunden.

Die beiden Baukörper sind als verputzte Massivkonstruktion mit frei gesetzten Lochfenstern gestaltet. Der grobe Putz der Fassade unterstreicht ihre Gliederung und Plastizität. Damit erhalten sie die notwendige Masse und Trägheit für ein auch in Sommer ausgeglichenes und angenehmes Innenraumklima ohne aufwendige und technikbasierte Kühlkonzepte. Durch die konsequente Reduktion der Anzahl Schichten resultiert eine einfache, kostengünstige und langlebige Bauweise: Massivdecken in 40 cm Stahlbeton geschliffen (dank der Masse ist kein Trittschall notwendig), Fassaden in Einsteinmauerwerk, innen mit Lehmputz als Feuchteregulator, aussen mit mineralischem grobem Kellenwurf. Holzfenster und Stoffmarkisen komplettieren das auf natürlichen Baustoffen basierende Materialkonzept.